Reden wir mal Klartext - ist wirklich alles so "rosa-rot"?

Am Donnerstag bin ich auf den Tag 2 Monate selbstständig. Zeit für einen kurzen Zwischenstand. Scheinbar ist das Thema „Traumjob“ momentan sehr gefragt. 37Grad auf ZDF brachte eine Reportage, Einslive suchte kurzfristig Interviewpartner zu diesem Thema, in vielen Zeitungen wird davon gesprochen, in Filmen wird es thematisiert etc. Vielleicht ist es auch gar nicht so aktuell - sondern scheint mir nur so, da es mich beschäftigt. Ist ja oft so, dass man auf einmal Dinge wahrnimmt, sobald man sich mit ihnen beschäftigt. Warum ist es so aktuell? Sind so viele Menschen unzufrieden in ihrem Job? Arbeiten wir nur um Geld zu verdienen? 

 

Kann man seinen Traumjob tatsächlich so einfach umsetzen und sein altes Leben zurück lassen? Wie ist es wirklich? Wie ist es hinter den Kulissen? In meinen letzten Einträgen habe ich immer sehr positiv über meine Entwicklung und insbesondere über meine Entscheidung geschrieben. Aber ist es das wirklich? Mir ist es in erster Linie besonders wichtig, dass man seinen Traum wirklich leben möchte und einem der Traum als solcher nicht ausreicht. Aber dazu gehört mehr als nur den Mut zu besitzen dies auch wirklich zu tun. 

 

Meine Situation vor dem 01.07.2016. Ich habe jährlich knapp 66.000,00 EUR (Brutto) verdient. Du kannst dir circa ausrechnen, wie viel Geld ich somit monatlich zur Verfügung hatte. Für den einen ist es eine Menge Geld für den anderen vielleicht wenig. Nach Abzug meiner Fixkosten (ca. 1.500,00 EUR mtl., die ich alleine trage) blieb für mich auf jeden Fall noch viel Geld zum Leben übrig. Diesen festen Betrag erhalte ich nun in der Monatsmitte nicht mehr. Glaub mir, ich habe manchmal sogar an dem Tag 5 mal ins Konto geguckt und geschaut, ob das Geld schon da ist. Nun habe ich nicht mehr die Sicherheit, dass ich nächsten Monat das gleiche an Geld zur Verfügung habe. Wie ich jetzt leben kann, wie ich meine Miete zahle? Klar habe ich Aufträge - ohne diese hätte ich den Schritt nicht gewagt. Aber was ist, wenn diese mal ausbleiben sollten? So ein Unternehmen muss ja erstmal ans laufen gebracht werden. Ich habe gespart, ich habe meinen Bausparvertrag aufgelöst und ich senke meine monatlichen Kosten, wo es nur geht. Heißt im Klartext mit 20.000,00 EUR als Rücklage in die Selbstständigkeit. Wie lange das Geld reicht? Ich weiß es nicht. Es beschäftigt mich oft, das kann und werde ich nicht abstreiten. 

 

Was du tun kannst, wenn du dieses Geld nicht hast und nicht unbedingt zu Beginn einen Kredit aufnehmen möchtest? Ich habe versucht einen Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit zu erhalten. (Das ist in der Höhe ähnlich wie ALGI plus einen zusätzlichen Zuschuss für 6 Monate.) Dieser wurde mir schon nach 2 Minuten verwehrt. Mein Studium, meine Ausbildung und meiner Berufserfahrung  sorgten dafür, dass ich zu „überqualifiziert“ war. Klingt super für jemanden, der sich selbstständig machen möchte. Ja - in der Bankenbranche hätte ich vielleicht schnell wieder einen Job gefunden - aber dahin möchte ich auf gar keinen Fall mehr zurück. Das war der Arbeitsagentur leidere relativ egal. Mir war egal, dass ich diesen Zuschuss nicht bekam. Ich wollte meinen Traumjob - auch ohne den Zuschuss. Was wiederum nicht bedeutet, dass du diesen Zuschuss nicht erhältst. Probier es aus. Lass dir einen Termin geben. Es gibt vom Staat sehr viele Hilfen, die man als Gründer unbedingt ansehen sollte. Sei es finanzielle Hilfen als aus KOSTENLOSE Weiterbildungsseminare. (Davon kann ich nicht alle empfehlen - aber definitiv ein paar!!) Schau einfach mal bei einer IHK oder einer Gründungsakademie in deiner Nähe vorbei. Ich war wirklich überrascht wie viele Angebote es dort gibt. 

 

 

Vielleicht beruhigt es dich zu wissen, dass ich nicht jeden Moment meiner Selbstständigkeit vor Überschwang erlebe. Ich habe täglich meine Ausgaben/Einnahmen im Blick, ich überlege zweimal ob ich eine Investition tätige, ich liege hin und wieder abends im Bett und mache mir Gedanken wie ich mein Leben weiter finanziere aber eins weiß ich:

 

Ich werde für meinen Traum kämpfen, niemals aufgeben (so schwer es auch wird) und mir dafür wenn nötig „auch den Arsch aufreißen!“  und ich freue mich sehr darauf!!!!

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Kommentare: 4
  • #1

    Simone (Montag, 29 August 2016 12:11)

    Immer wieder toll, deine Posts!!

  • #2

    Elina (Montag, 29 August 2016 15:05)

    Ich bin so stolz auf dich !!!

  • #3

    Ines (Dienstag, 30 August 2016 08:08)

    Einfach super dein Blog . Danke für deine Offenheit .

  • #4

    Der Onkel (Dienstag, 30 August 2016 11:57)

    Unsere Tür (der Kühlschrank) ist immer offen für dich ;-) ...