Dann kam er, der Moment an dem ich einfach die Schnauze voll hatte!!!

Zuerst dachte ich, dass dieser Eintrag wohl hauptsächlich Fotografen interessieren wird. Zuerst. Denn eigentlich ist er doch für jeden interessant. 

 

Thema Weiterbildung, Verkaufsseminare… Ich nenne in diesem Blogartikel bewusst keine Namen. Ich möchte niemanden schlecht machen oder jemand anderen positiv hervor heben. Vielleicht weißt du, an welchen Stellen ich von wem spreche. Es spielt jedoch keine Rolle. Hier geht es um meine persönliche Erfahrung und meine Konsequenzen daraus.

 

Ich habe im letzten Jahr einige Seminare, Workshops, Bootscamps …besucht. Ich habe unzählige Videos bei YouTube gesehen, mir ein dickes Hörbuch-Paket bestellt und auch angehört (mehrfach), Bücher gelesen, Gespräche geführt… Kurz gesagt, ich habe ne Menge für meine Weiterbildung getan. Egal wie dieser Text ausgeht, ich bilde mich immer noch weiter und finde es auch verdammt wichtig. ABER… mittlerweile achte ich darauf womit ich mich weiterbilde, welche Werte ich vertreten kann und von was und wem ich mich in Zukunft distanziere. 

 

Aber mal von vorne. 

 

Ende letzten Jahres war es bei mir so, dass ich tagelang richtig „leer“ war. Ich war an einem Punkt,  an dem ich einfach nicht mehr weiter kam. Ich habe gemerkt, es läuft irgendwie gerade alle nicht mehr so, wie ich mir das vorgestellt habe. Ich habe versucht mein „Leben“ zu optimieren. Mich zu optimieren. Meinen Tagesablauf zu optimieren. Zu regeln. Zu strukturieren. Abläufe zu planen. Mir 1903498237423704 Gründe überlegt, warum man mich als Fotografin buchen sollte. Wie ich meine Arbeit verkaufe. Wie ich Menschen von mir überzeuge. Von meiner Arbeit überzeuge….

 

Ich habe mich selbst so unter Druck gesetzt auch diese eine Schiene zu fahren. 

 

„Diese eine Schiene“? Überall tauchen mittlerweile die gleichen Sätze, die gleichen „Maschen“ auf. So viele nutzen die gleichen Verkaufstechniken. Versuchen ihren Kunden immer mehr zu verkaufen. Ihr Ziel ist es, immer mehr Geld zu verdienen. Und noch mehr. Und weil es nicht reicht noch mehr. Sie quatschen dir alles mögliche auf - egal ob du es brauchst oder nicht. Sie geben dir das Gefühl etwas besonderes zu sein. Ab dem Moment, in dem du dich entschieden hast, bist du es aber nicht mehr. Egal ob du es gekauft hast oder nicht. Wenn es ein neues Produkt gibt, wirst du sehr schnell wieder etwas Besonderes. Vielleicht teilen sie dir auch mit, dass es von einem Produkt/einer Dienstleistung nur noch ganz wenig gibt und du ganz, ganz schnell zugreifen musst. Vielleicht machen sie dir Angst, indem sie dich vor anderen Anbietern warnen. Du gehst zu ihren Seminaren und einen Tag später rufen sie dich an und versuchen mit den gerade gelernten Verkaufstechniken dir wieder was zu verkaufen. Du bist ja gerade motiviert. Eigentlich müsstest du kaufen. Eigentlich sollte dir aber auch auffallen, dass du genau das, die letzten Tage gelernt hast.

 

Ja, die Verkaufstechniken gibt es schon Ewigkeiten. Wir kennen sie alle. Aus so vielen Branchen. 

Aber ist GELD wirklich das höchste aller Ziele? 

Gehört so etwas in eine kreative Branche?

 

Ich fotografiere Menschen, weil sie mich interessieren. Weil mich die Geschichte hinter den Gesichtern interessieren. Ihre individuelle Persönlichkeit. Weil mich die Geschichte einer Familie interessiert. Weil mich die ganz persönliche Liebesgeschichte zweier Menschen interessiert. Nicht für den Moment. Viel eher von Dauer. Ich möchte, dass diese Menschen mir vertrauen, sich bei mir wohl fühlen, sich fallen lassen können. Gerade bei emotionalen Geschichten wie Hochzeiten. Das funktioniert nicht, wenn ich nur an dem Geld von ihnen interessiert bin. Für MICH funktioniert es nicht. Für mich funktioniert es nicht, wenn ich Ihnen eine Dienstleistung verkaufe.  Wenn ich ihnen durch Angst „Bilder verkaufe“.  Ab dem Moment, wo ich das machen würde - würden auch genauso die Bilder entstehen und ihre persönliche Geschichte verschwinden. Keine Emotionen. Kein Vertrauen. Keine Momente. Nur lächelnde Menschen, die in die Kamera schauen.  Leere Bilder. Kalte Bilder.


Das bin ich nicht. Das will ich nicht und das werde ich auch niemals sein. 

 

Ich habe mich selber so unter Druck gesetzt auch diese Schiene zu fahren, dass ich fast etwas verloren hätte. MICH!!! Mich, mein Unternehmen und den Grund warum ich mich bewusst für dieses Leben entschieden habe. Ich bin ein freier Mensch. Ich bin ein kreativer Mensch. Ich liebe es jeden Tag anders zu gestalten. Anders zu gestalten um neue Ideen zu erfahren. Um so zu leben, wie es mich am glücklichsten macht!

 

 

Ich möchte mit diesem Blogartikel niemanden daran hindern, diese Seminare zu besuchen. Kann ich gar nicht. Ich möchte nicht zum Ausdruck bringen, dass diese Speaker schlechte Menschen sind. Ich meine damit, dass es für mich nicht das Richtige war. Das MICH diese Seminare nicht weiter bringen. Vielleicht bringen sie mein Unternehmen weiter. Weiter indem sie mein Konto füllen. Aber definitiv auf eine Art, wie ich es niemals möchte.

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Kommentare: 17
  • #1

    Elina (Montag, 27 März 2017 03:19)

    Ich bin so stolz auf dich. Du bist so eine starke Persönlichkeit und du wirst es so weit bringen, einfach weil du bist wie du bist.
    Ich möchte gerne mal so stark und selbstbewusst sein wie du und du weißt ich stehe immer hinter dir!!!

  • #2

    Kai Thrun (Montag, 27 März 2017 10:49)

    Ich weiß nicht, wieso ich hier gelandet bin, aber Steffen hatte recht als er den Artikel teilte. Manchmal müssen wir einfach mal zu nah an die Sonne kommen, um uns kurz die Flügel zu verbrennen.

    Ich wünsch dir, unbekannterweise, alles Gute für die Zukunft! :)

  • #3

    Sascha (Montag, 27 März 2017 10:55)

    Diesen Punkt habe ich auch erreicht. Und es fällt aber gerade im Social-Foto-Business immer mehr auf, dass ein Teil dieser Communities tatsächlich Motivation, Spirit und Leidenschaft teilen und oft auch etwas 'geben'.
    Und dann gibt es den anderen Teil, der nur vorgibt dieses zu tun- als Instrument zur Selbstvermarktung: Ich schenke dir etwas, aber wenn du noch etwas dazu kaufst, wirst du noch besser sein... -damit einen immensen Druck ausübt, noch ein Seminar, noch eine Box, noch ein Coaching zu besuchen...
    Inzwischen laufen Verkaufstrainer Hand in Hand mit Fotografen, die auch mehr Marketing als Fotografie verkörpern- und die daraus entsprungenen Junior-Fotografie-Business-Selbstvermarkter fangen nun auch schon an.

    Ich habe mit Beginn diesen Jahres angefangen mich von diesem Druck und diesen Menschen zu befreien, habe virtuelle Freundschaften beendet, Seiten entliked, Accounts entfolgt Newsletter abbestellt....
    Ich konzentriere mich auf die Dinge die mir Spaß und Freude bereiten, mich morgens anspornen, mittags bestätigen und abends unterhalten...

    Und es ist zudem eine Freude am Rechner, Tablet oder Phone nicht im Sekundentakt mit irgendwelchen 'CHECK-ME!!!' Markierungen belästigt zu werden :)

  • #4

    Toni (Montag, 27 März 2017 10:59)

    Vielen Dank für diesen Blogeintrag.

  • #5

    Christian Ahrens (Montag, 27 März 2017 11:08)

    Hallo,
    es geht nicht um Geld. Um mehr Geld um jeden Preis. Es geht um Werte.
    Fotografen bieten idealerweise hochwertige Bilder an. Diese Werte werden dann in Honoraren beziffert. Es gibt auch Coaches, die diesen Zusammenhang klar machen. Geld ist nicht das Ziel, sondern der (möglichst gut) honorierte Wert. Geld ist nur ein Tauschmittel dafür.
    Viele Grüße
    Christian
    www.beruf-fotograf.de

  • #6

    Alexander Görisch (Montag, 27 März 2017 11:14)

    Ja das kann ich sehr gut verstehen. Ich hatte durch die ganzen Hochzeiten und den Gedanken an Geld dann irgendwann den Spaß an der Fotografie verloren. Mein Fazit war die Selbstständigkeit an den Nagel zu hängen und das ganze nur noch Hobby mäßig weiter zu machen. Seitdem gings auch wieder Bergauf mit dem Spaß an der Sache.

    Ich bin der Meinung wir sollten uns eines vor Augen halten, das Kostbarste das wir haben ist unsere Lebenszeit. Wir können fast alles ersetzen, aber die verstrichene Zeit nicht. Daher sollten nur auch nur Dinge tun, die wir auch gerne machen aber uns nichts auf erzwingen wenn es sich verhindern lässt.

  • #7

    Johannes Fenn (Montag, 27 März 2017 11:18)

    Richig und wichtig!

  • #8

    Marcus (Montag, 27 März 2017 11:37)

    Liebe Svenja, ich bin auch nur durch das Teilen des Beitrages durch Steffen hierauf gestoßen ("Große" Namen ziehen halt immer mehr an). Ich muss Dir erstmal ein Kompliment für deine Bilder hier lassen. Da -> Kompliment. Ansonsten kann ich Dir eigentlich nur Danken für deinen Beitrag hier. Seit 3 Jahren versuche ich mich selbst richtig schlecht als Fotograf zu vermarkten, irgendwie funktioniert das nicht. Ich sehe das Fotografieren, die Freiberuflichkeit und die Bilder, wie Du. Nun hab ich schon begonnen tatsächlich einen Podcast eines Fotografen der Rhein-Main-Fotomafia ;) zu hören, der nur auf das Verkaufen und Motivation abzielt. Doch die Oberflächlichkeit der Aussage, außer, dass Du am Besten sein Zeug kaufen sollst, hat mich schon nach 3 Folgen zu Tode gelangweilt. Newsletter von gewissen Größen, wie A.F. landen seit dem 2. im Papierkorb. Vielleicht hat mich ein innerer Überlebensdrang schon immer davor gewarnt, vielleicht hab ich auch noch nie auf andere gehört. Aber Dein Beitrag hat mir nur bestätigt, dass man zu allererst auf sich selbst hören sollte. Geht auch die Zeit der Fotografie zu Ende ... (der Freiheit zu tun, was mal liebt und gut kann) ... Hauptsache man vergisst sich nicht selbst.

    LG Marcus

  • #9

    Roman (Montag, 27 März 2017 12:10)

    Ich glaube, du beschummelst dich mit deinem Beitrag ein bissi selbst. Über das/diejenigen, worüber du dich aufregst, bringt dich nicht weiter, ernten aber (irgendeine Art von) Anerkennung, die du (mit Recht) nicht honorieren kannst und weil du dich (obwohl du sehr gut fotografierst) nicht hinreichend abgrenzen kannst, bist du frustriert und schreibst. Beste Voraussetzung was wirklich gutes anzufangen…

  • #10

    Svenja (Montag, 27 März 2017 13:19)

    Danke, für Euren ganzen lieben Kommentare. Zu zwei Kommentaren würde ich gerne meinen Senf dazu geben. ;)

    @Christian Ahrens - bin ich voll bei dir. Gute Bilder kosten Geld. Das werde ich niemals anzweifeln und das war auch nicht die Intension dieses Artikels.

    @Roman - Ich bin frustriert? Vielleicht macht es für dich den Anschein, ABER ich bin wahnsinnig glücklich. Mit dem was ich tue. Mit dem wie ich bin.
    Ich freue mich für JEDEN, der Anerkennung erhält und für jeden, der das erreicht, was er erreichen möchte! Mich weiter bringen? Wohin? Ich habe doch schon das Leben, was ich möchte. Deswegen muss ich dir leider widersprechen - ich beschummle mit diesem Beitrag niemanden - am wenigsten mich selbst.

    Dieser Blog ist alleine dafür da, um Menschen an meinem Leben, meinen Entscheidungen und meiner Einstellung teilhaben zu lassen. Niemand muss der gleichen Meinung sein!

  • #11

    Dirk (Montag, 27 März 2017 14:35)

    +1

    Oder etwas ausführlicher: Auch wenn ich als Autodidakt viel über Workshops, Tutorials und Seminare gelernt habe und sie deswegen grundsätzlich für wichtig halte, stimme ich Dir voll zu. Es gibt so viele Anbieter, und so wenige taugen davon. Und selbst die, die gut sind, sind ja nicht automatisch richtig für DICH! Richtig für Deine aktuelle Situation.

    Entfolgen, Entfreunden. Nach innen schauen und nach aussen handeln.

    Ab dafür!

  • #12

    Calvin (Montag, 27 März 2017 18:21)

    Ich feier deinen Post sehr.
    Er zeigt, dass du dich gerade wieder justierst und dir bewusst wird was du nicht willst.
    wir haben uns ja auch dem Bootcamp kennengelernt und ich hoffe die bleiben als positive Erfahrungen bestehen.

    Man verfällt schnell in den Konsum und vergisst das Machen.
    Ich bin da auch gerade täglich am orientieren und mache mir bewusst, dass die Familie und die Möglichkeit das zu tun was einem Spaß macht, wichtiger als Geld ist.

    Gerade dann wenn man noch keine Angestellten hat, sollte man das viel bewusster erleben.
    Ich bin gespannt wie es weitergeht und wünsche dir auf alle Fälle Alles Gute.
    Hab dich im Auge;-)

    lg Calvin

  • #13

    Carina (Montag, 27 März 2017 22:01)

    Danke Svenja, für diese Worte.
    Sie sprechen mir aus der Seele, aber ich dachte immer das ich falsch liege.
    Immerhin läuft das Business bei den Personen, die diese Wege und Mittel predigen.
    Bei mir nicht so doll, aber das ist okay.
    Denn ich habe mich beim konsumieren..verloren. So hatte ich das Gefühl.
    Nochmal: Danke!

  • #14

    Daniel (Dienstag, 28 März 2017 13:14)

    Durchs (glücklicher weise) teilen des Artikels bin ich hier gelandet.

    Das ganze ist ein Thema, welches mich schon lange umtreibt. Es fallen einem dann doch einige Sachen auf, wenn man doch mal in Ruhe über so etwas nachdenkt. Vielleicht auch durch andere ein Blick von außen. Da hat mir meine Frau zum Beispiel sehr gut helfen können. Vielleicht auch aus dem Grund das sie mit Fotografie gar nichts zutun hat.

    Wichtig: Weitermachen und neu sammeln, in ruhe. Danke für deinen tollen Artikel!

    Grüße aus Leipzig,

    Daniel

  • #15

    Meike Dietz (Mittwoch, 29 März 2017 07:50)

    DANKE ❤ dieser Blog spricht mir direkt aus dem Herzen !!!!! ❤

  • #16

    Wolfgang (Mittwoch, 29 März 2017 11:45)

    So denkst Du richtig .....aber die Einstellung hat bestimmt viel Geld gekostet .

  • #17

    Katrin (Freitag, 31 März 2017 12:39)

    Vielen Dank für den Artikel. Du hast so Recht und ich bin froh, dass das mal so ausgesprochen wurde. Super. Tut gut.
    Liebe Grüße, Katrin